Montag, 25. Mai 2015

Chamino del Choro und Neues von der Arbeit

Heyhey,
da der letzte Blogeintrag schon zwei Monate zurückliegt und in den letzten Wochen wieder wahnsinnig viel passiert ist, habe ich mich entschieden den April wegzulassen und nur von Mai zu berichten:


1.       Maiwochenende- Camino del Choro
Am ersten Maiwochenende machten Ronja, Maelis und ich eine dreitägige Wanderung von 4800 m auf 1500 m runter in die Yungas, den Camino del Choro. Ergeben hat sich das Ganze dadurch, dass ich Maelis, die 14 Stunden von La Paz entfernt lebt, zufällig montags auf der Straße getroffen habe. Diese Spontanität funktioniert in Bolivien eigentlich am besten. Nachdem wir donnerstags zwischen der Arbeit noch irgendwie ein Zelt und Isomatten organisiert hatten, hieß es Freitagmorgen um 6 Uhr aufstehen, so dass wir gegen 8 am La Cumbre aus dem Mini stolpern konnten. 


Da mir erzählt wurde, dass das erste Maiwochenende in Deutschland ziemlich verregnet war, möchte ich nicht allzu viel über das Wetter reden. Kurz und schmerzlos: strahlend blauer Himmel und wunderbare Aussicht in die umliegenden Täler. Nur war es (wer La Paz kennt wird wenig überrascht sein) ziemlich kalt. 
Doch nach der Überquerung eines Passes ging‘s steil nach unten und mit jeden 100 Metern wurde es wärmer und vegetationsreicher. Trotz 8 stündiger Wanderung an den ersten Tagen blieb abends im Zelt noch jede Menge Zeit zum quatschen und am dritten Tag kamen wir schon gegen Vormittag in Chairo an (ja, die Streckeneinteilung hätte man evtl. ein wenig optimieren können).

Dafür konnten wir dann aber schön im Fluss baden, was echt unser Highlight des Tages war. Außerdem kamen wir so zumindest halbwegs „frisch“ nach La Paz zurück und die Mückenstiche haben uns noch eine Woche lang an das schöne Wochenende erinnert.


So jetzt aber zu den ernsten Dingen des Lebens…
Meine Arbeitszeiten sind milde gesagt chaotisch (variieren von Montag bis Sonntag zwischen 8:00- 21:30) aber ich liebe meine Arbeit und meine Arbeitskollegen und die Jugendlichen bei uns im Zentrum sind echt super, deshalb ist mir das eigentlich egal. Macht’s nur schwierig darüber zu berichten. Um keinen zu langweilen ein paar neue Aspekte, von denen ich bisher noch nicht erzählt habe:
In den letzten Wochen habe ich nicht nur viel mit Criss und Gladys an den Colegios mit den Schülern gearbeitet, sondern war auch mit Pamela bei einigen Talleres mit den Eltern. Teilweise bei irgendwelchen kirchlichen Strick-und Tratschgruppen aber auch bei Elternabenden an den Schulen. Die Arbeit ist mit den Eltern ist unglaublich wichtig, denn was soll  man Schülern auf die Frage antworten, was sie denn machen können, wenn sie hier bei uns Dinge über gewaltfreie Kommunikation lernen und der Vater dann zuhause den kleinen Bruder schlägt? Das ist vor allem durch den tief in der Gesellschaft verwurzelten Machismos nicht einfach. Deshalb arbeiten wir nicht nur mit den Jugendlichen, sondern reden auch direkt mit den Eltern über gewaltfreie Erziehung, familiäre Strukturen, Gewalt etc. Aber die Resistenz bei den Eltern ist recht hoch. „Ich wurde früher auch geschlagen, das hat doch auch nicht geschadet“ oder „ich arbeite den ganzen Tag, da kann ich doch jetzt nicht auch noch kontrollieren, dass mein Kind pünktlich in der Schule erscheint“ (pünktlich gibt es in Bolivien eigentlich nicht, gemeint ist eher überhaupt auftaucht) sind da nur beispielhafte Antworten. Dazu kommt dann in manchen Vierteln wenn ich die Anwesenheitsliste rumgebe, dass jede 4. oder 5. Person in der Reihe Analphabet ist. Nach solchen Talleres frage ich mich dann doch des Öfteren, ob man bei diesen Erwachsenen überhaupt irgendeine Reflexion erreichen kann. Andererseits ist es für viele vielleicht das erste Mal, dass irgendjemand sie dazu auffordert sich mal über ihre Erziehungsmethoden oder ihr Familienleben Gedanken zu machen und vielleicht –hoffentlich- bringt es ja langfristig doch mehr als ich manchmal den Eindruck habe.

Unsere neue Facilidadores-Gruppe
Aber eigentlich arbeite ich viel lieber mit den Jugendlichen, da ist zwar teilweise das Gekicher riesig aber wenigstens die Resistenz nicht ganz so hoch. Zudem habe ich bei den Talleres mit den Eltern noch nicht so ganz meine Rolle gefunden, da ich es recht schwierig finde, als 19jährige Gringa (was meist als reich und eh noch nie mit Problemen in Kontakt gekommen assoziiert wird) die Eltern zum Umdenken zu bringen. 

Jeden Donnerstagmorgen gehe ich mit unseren Psychologinnen zu einem „Curso de Autoconocimiento“ („Kurs zur Selbsterkenntnis“) wo - um es jetzt mal simpel herunterzubrechen- sich eine Gruppe Studentinnen über ihre Probleme austauscht und durch verschiedene Dynamiken über ihre Vergangenheit und Zukunftswünsche reflektiert. Ich liebe diese Gruppe, auch wenn manchmal krasse Probleme erzählt werden und ich meist sehr nachdenklich wieder zurück zur Fundación fahre. Aber es finden alle, dass ich eine echte Bereicherung für die Gruppe bin, da ich immer „so ganz andere Ansichten und neue interessante Aspekte“ einbringe.


Break Dance in der Fundación
Jeden Montag gehe ich zudem mit Helen zu einer (immer dieselben) Schulklasse. Helen arbeitet nicht wie Gladys und Criss in der Präventionsarbeit, sondern wird von Lehrern oder Schulleitern angefragt, wenn in einer Klasse besonders viel Gewalt herrscht und arbeitet dann 8 oder 10 Wochen lang mit der Klasse. Und bei dieser einen Klasse bin ich eben auch immer dabei.

Feria zur Gewaltprävention
Was fällt mir sonst noch so zur Arbeit ein? Verletzen Samstag hatten wir ein Break Dance Event, wo sich unsere Kurse gegen verschieden andere Break Dance Gruppen gebattelt haben, was echt cool war.
Außerdem hatten wir einmal eine Messe an einem Colegio. Dazu waren verschiedene Institutionen eingeladen und jede hat in einer Ecke des Schulhofs verschiedene Spiele aufgebaut und mit den Schülern spielerisch verschiedene Gewaltbereiche besprochen. Die Spiele die wir dabei hatten, wurden alle von den Comunicadores erfunden und waren echt ganz witzig.
Dann gab es einen Samstag lang ein Seminar für Lehrer, wie sie mit Gewalt zwischen den Schülern und Bullying umgehen können. …Und jede Menge andere Sachen.

Nächste Woche ist in La Paz Gran Poder und die Woche drauf wollen wir, worauf ich mich echt freue, nach Samaipata fahren. Ich werde versuchen recht bald darüber zu berichten.
Bis bald J

Mittwoch, 25. März 2015

Wie´s bei der Arbeit so läuft...

 
Da tatsächlich schon wieder zwei Monate vergangen sind, seit ich bei der Fundacion La Paz arbeite, hier ein kleiner Einblick, was ich dort so mache:




Noche Arte y Cultura
Die Präventionsarbeit an den Schulen läuft inzwischen ziemlich gut, wobei ich meistens meine Kollegin Gladys in die Kurse begleite. Pro Kurs haben wir in der Regel drei Einheiten. Die erste Sesión dient zur Analyse, welche Themen mit dem Kurs am dringensten besprochen warden sollten. Dazu bekommen die Schüler meist provokante Thesen, zu denen sie Stellung nehmen sollen und wir zeigen verschiedene Filme mit offenem Ende um das Verhalten der Schüler zu erfragen. Je nachdem in welchem Bereich wir dann Defizite oder Gesprächsbedarf erkennen, sprechen wir in den nächsten Einheiten meistens über Geschlechterdirskriminierung, Gefahrensituationen die Alkohol, Drogen, Facebook und Co. mit sich bringen können oder über der Umgang mit familiärer Gewalt.
Die Arbeit an den Schulen macht mir sehr viel Spaß. Auch wenn manchmal sehr unreife oder erschreckende Antworten kommen, merkt man vor allem an den Kursen mit denen schon im Vorjahr gearbeitet wurde, dass die Arbeit echt sinnvoll ist.

Von den monatlichen Talentabenden einmal abgesehen, bieten wir jetzt zusätzlich jeden Freitagabend eine “Noche Arte y Cultura”, eine Gesprächsrunde an, bei der die Jugendlichen über von ihnen vorgeschlagene Themen diskutieren können (Themen der letzten Wochen waren zum Beispiel Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Beziehungen und Trennungen, Liebe…).
Zudem hatten wir zweimal jeweils eine Woche lang einen Kurs für Jugendliche aus unserem Zentrum zur “Facilitación de Capacitadores”, eine Art Mentoreprogramm mit der Intention interessierte Jungendliche darauf vorzubereiten, uns an die Colegios zu begleiten, um mehr Schüler erreichen zu können.

Mit dieser Gruppe führen auch unsere Psychologinnen Dany und Gloria die nächsten drei Monate lang eine Curso de Autoconocimiento “Kurs zur Selbsterkentniss“ durch, woran ich auch meistens teilnehme, da diese Mittwochnachmittage immer sehr interessant sind.

Ansonsten mache ich Werbung für anstehende Veranstaltungen, neue Kurse etc., helfe sporadisch in den Kursen aus, bereite Material fur die Schulen vor und begleite das Radioprogramm.

Ausstellung der Kunstkurse




Besonders schön war zudem der Besuch einer peruanischen Jungedtheatergruppe, die in Lima auf soziale Ungerechtigkeiten aufmerksam machen, und sich vier Tage lang mit unseren Jugendlichen ausgetauscht haben, ein gemeinsames Theaterstück einstudiert haben etc. Für mich war diese Zeit unglaublich interessant, da die Jugendlichen sehr viel von ihrem Umfeld, ihre Kindheit etc. erzählt haben. Manchmal war ich dabei in Situationen, in denen ich dachte mh, und was soll ich jetzt über mich erzählen, aber ich glaube es ist wichtig, nicht einfach zu sagen, dass wir eigentlich im Vergleich zu dem was diese Jugendliche hier erleben keine Probleme haben, sondern zu erzählen was mich beispielweise in ihrem Alter belastet hat. Auch wenn das natürlich niemals so gravierende Dinge sind, kommt das immer sehr gut an und so habe ich inzwischen ein sehr vertrauensvollens Verhältnis zu den Jugendlichen.





Stand der Chocolatería
Dann gab es noch einen Samstag, an dem die Leiter der Kindernothilfe zu Besuch kamen um das Projekt zu begutachten und sich alle Kurse und ihre Arbeit vorstellen mussten. Die Woche davor war ehrlich gesagt ziemlich stressig, aber der Tag selbst, an dem sich alle Kurse auf einer Plaza in Villa Armonía präsentiert haben war echt schön.
Das waren jetzt nur ein paar kleine Ausschnitte meiner Arbeit, da echt ständing etwas anderes passiert. So habe ich zwar keinen regelmäßigen Arbeitsablauf, aber dafür wirds nie langweilig. Außerdem habe ich das Glück mit tollen Kollegen zusammenzuarbeiten, mit denen ich mich nicht nur sehr gut verstehe, sondern von denen ich auch ziemlich viel lernen kann. Und so verfliegt die Zeit wahnsinnig schnell
 

Freitag, 6. Februar 2015

Meine neue Arbeit bei der Fundación La Paz

Seit dem Zwischenseminar habe ich eine wirklich interessante Einsatzstelle und die Arbeit dort macht mir sehr viel Spaß. Die Fundación La Paz hat mehrere Schwerpunktbereiche, der dem ich zugeordnet bin ist der gegen familiäre und sexuelle Gewalt. Diese Abteilung untergliedert sich in die Bereiche Therapie, Sensibilisierung & Prävention und Freizeitangebote für Jugendliche.

Ich arbeite vormittags im Bereich Sensibilisierung & Prävention  wo wir beispielsweise an Schulen und in Jugendzentrum gehen und Workshops durchführen. Dabei geht es vor allem darum, dass sich die Jugendlichen (meist zwischen 12 und 16 Jahren) bewusst werden, wann Gewalt beginnt, lernen  selbstbewusst aufzutreten, ihr Verhalten in verschiedenen Gruppen (Schule, Clique, Familie) zu reflektieren etc.
Dieser Arbeitsbereich ist zwar momentan noch nicht so interessant wie ich anfangs dachte, dies liegt aber daran, dass wir noch nicht an die Schulen gehen können, da das Schuljahr gerade erst angefangen hat. Da es in Bolivien einen Mangel an Schulen und Lehrern gibt, gibt es zwei Schichten, die Schüler gehen also entweder vormittags oder nachmittags in die Schule. Wir müssen momentan erst einmal eine Erhebung machen, in welchem Turno die Schüler jeder Schule sind mit denen wir arbeiten möchten oder im letzten Schuljahr gearbeitet haben. Als zweites Problem ergibt sich, dass in La Paz alle drei Jahre die Qualität der Schulen überprüft wird und an den Schulen die unterdurchschnittlich abschneiden wird der Schulleiter versetzt. Und naja, die Schulen in den Vierteln in denen wir arbeiten sind alle nicht besonders toll, deshalb werden die meisten der Schulleiter dort im März versetzt was es für uns ziemlich schwierig macht eine Jahresplanung aufzustellen wenn keiner sagen kann, ob der neue Schulleiter unser Programm unterstützen wird und weiterführen will.
Deshalb waren wir bisher nur an Jugendzentren, wo leider nicht so viele Jugendlich an den Workshops teilgenommen haben aber dafür waren die Gespräche im kleinen Kreis recht offen und sehr persönlich. Sobald das Programm für die Schulen erst einmal angelaufen ist wird die Arbeit glaube ich sehr spannend, da in jedem Workshop Leute mit ganz unterschiedlichen Geschichten sind und ich dabei viel über die hier vorherschenden familiären Strukturen und Probleme erfahre.

Nachmittags bzw. abends werden im Zentrum der Fundacíon verschiedene Aktivitäten angeboten. Es gibt zwei Bereiche einmal MUSARTA (Música, Arte, Talento) das sind Kurse wie Gitarrenunterricht, Rhythmus, Break Dance, Rap, Graffiti, Chocolateria, Selbstverteidigung, Capoeira etc. und dann gibt es noch die „Jóvenes Transformadores de Conflictos“ (Jugendliche die Konflikte beseitigen). Diese Gruppe trifft sich täglich zu Diskussionsrunden über für die Jugendlichen relevante Themen, veröffentlicht regelmäßige Newsletter und ist gerade dabei ihr eigenes online-Radioprogramm aufzubauen.
Bevor ich anfange eigene Kurse zu geben schaue ich mir momentan alle bestehenden Kurse an und unterstütze die Profes. Das ist ziemlich entspannt und es ist sehr schön erst einmal Zeit zu haben die Teilnehmer des Programms kennen zu lernen. Momentan bringe ich mich am meisten bei den Jóvenes Transformadores de Conflictos ein, da ich dort am meisten machen kann und mir die Arbeit mit den Jugendlichen, die nicht viel jünger sind als ich, sehr viel Spaß macht.
Aufbau für das Radioprogramm
Jeden zweiten Sonntag gehen wir beispielsweise auf eine Plaza in einem der abgelegeneren Viertel und machen dort 4 Stunden lang Radio, wobei viel Wert darauf gelegt wird, dass auch die Bevölkerung ihre Meinung bei den Diskussionen kund tun kann, und so interviewen wir beispielsweise Tiendabesitzer, Gelatineverkäufer oder Schuhputzer. Thema der letzten Sendung war „Grafiti – urbane Kunst oder Vandalismus“ was sich als sehr interessant erwiesen hat, da es irgendwann um den Vergleich von Grafittis der Jugendlichen und den politischen Plakatierungen der Parteien ging die hier an jeder zweiten Hauswand angekritzelt werden.
Ich habe bislang zwar nur an den Interview und bei der Begrüßung mitgemacht, weil mein spanisch doch noch nicht so gut ist, als dass ich mich spontan im Radio bei komplexen Diskussionen beteiligen kann, aber bis Ende des Jahres wird das hoffentlich.

Die Arbeit macht mir super viel Spaß, die Fundación hat ein Konzept das Hand und Fuß hat und vor allem der Austausch mit den Jugendlichen ist wirklich interessant. Zudem habe ich entspannte Arbeitszeiten von 12:00 - 20:00 (okay dafür auch an den Wochenenden aber das Radioprogramm ist für mich mehr Hobby als Arbeit) und ich kann in 20 Minuten hinlaufen… was will man mehr?