Donnerstag, 6. November 2014

Ausflug nach Tihuanaco und unser kleiner Ausflug nach Peru


 21.10. - 26.10  60. Jubiläum des Goethe-Instituts
In dieser Woche fanden anlässlich des 60 Jährigen Jubiläums des Goethe-Institut La Paz zwei Konzerte mit einem deutschen Trio und dem Orquestra Sinfonicá Nacinal statt, wozu ich Dienstagmorgen auf der Pressekonferenz dabei war und Donnerstagabend das Konzert im Nationaltheater besuchte. Am Freitag räumten wir das komplette Gebäude um, da am Samstagabend eine große Feier im Institut mit DJ, einer Band, einem Kinosaal mit deutschen Filmen etc. gab. 

27.10. Ausflug nach Tihuanaco

Sonntagmorgen fuhren Maria und ich nach Tihuanaco, einer bedeutende Ruinenstätte einer Prä-Inka-Kultur, die ca. 70 Kilometer von La Paz entfernt sind. Die Ruinen von Tiahuanaco zählen zu den wichtigsten archäologischen Stätten in Bolivien und gehören seit dem Jahr 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO an. Gerade deshalb hätten wir uns von der Ausgrabungsstätte auch ein wenig mehr erhofft, außer dem Sonnentor -das in echt jedoch viel Kleiner ist als es auf den Bildern im Reiseführer scheint-, einigen Resten von Pyramiden und zwei kleinen Museen gab es jedoch nicht allzu viel zu sehen. Dafür machten wir noch einen Abstecher in das nahegelegene Dorf, das mit einem lebendigen Markt überraschte.

das Sonnentor

Versammlungsort für Rituale


Lesewettbewerb der Deutschen Schule

Am Montag wurde ich vom Goethe-Institut zu einem Vorlesewettbewerb der Deutschen Schule geschickt, woran 7.-9.-Klässler aus dem ganzen Land teilnahmen und ich in der Jury sein durfte. Zum einen war ich sehr gespannt das Gelände der Deutschen Schule einmal von Innen zu sehen (vor einigen Wochen waren wir einmal in der Nähe und waren beim durch-die-Gitter-gucken von der Top-Ausstattung der Schule fasziniert), außerdem war es auch sehr interessant den Vergleich zwischen Muttersprachlern, denen die Deutsch seit Klein auf lernen und Fremdsprachlern zu hören. Zudem traf ich dort noch einen Freiwilligen, der im Kindergarten der Deutschen Schule arbeitet und der Vergleich wie der Alltag dort abläuft und was es bei mir in Villa Fátima gibt war doch sehr interessant. So hatte ich dort einen sehr interessanten Vormittag.

Ansonsten war die Woche - nach der Jubiläumswoche - im Goethe-Institut sehr ruhig und auch aus dem Kindergarten fällt mir gerade nichts ein, was es Neues zu berichten gäbe.

 Titicacasee: Isla del Sol und schwimmende Inseln auf der peruanischen Seite

Die Bolivianer haben die sehr angenehme Regelung, dass Feiertage die aufs Wochenende fallen auf den Montag verlegt werden, und so hatten wir ein langes Wochenende. Dies nutzen Maria und ich, um an den Titicacasee zu fahren und diesmal auch die peruanische Seite zu erkunden.

Samstagmorgen fuhren wir los und erreichten gegen Mittag Copacabana, von wo aus wir direkt ein Boot auf die Isla del Sol nahmen. Von meinem letzten Besuch kannte ich nur den südlichen Teil der Insel, diesmal wanderten wir sie jedoch komplett ab, übernachteten auf der Nordseite und wanderten dann Sonntags über die menschenleere Westseite zurück. Den Nachmittag verbrachten wir in Copacabana und fuhren abends los nach Puno, das in Peru liegt.
Montagmorgen fuhren wir dann mit dem Boot zu den Islas de los Uros, 84 schwimmende Inseln, die komplett aus Schilf gebaut sind. Dies zu sehen und etwas über die Bauweise zu erfahren war total faszinierend und auch wenn der Ausflug sehr touristisch war, hat es sich auf jeden Fall gelohnt die Inseln zu besuchen. Nach einer mehrstündigen Rückfahrt kamen wir gegen Abend ziemlich erschöpft in La Paz an, doch das Wochenende war echt toll und wir hatten echt viel gesehen und erlebt. 

kleines Dorf auf der Isla del Sol
 

Autos gibt es keine, dafür jedoch viele Esel und Alpakas

las Islas Flotantes





Dieser Eintrag beschreibt zwar hauptsächlich die Wochenenden, dabei nehmen die Arbeitstage natürlich den größten Teil meiner Zeit ein. Da ich mich jedoch sehr gut eingelebt habe, in meiner Gastfamilie nach wie vor sehr wohl fühle und eine Routine in meinen Wochentagen habe, fällt mir dazu einfach nicht so viel ein, was ich darüber erzählen kann ohne mich zu wiederholen.
Ihr seht, mir geht es sehr gut hier und ich hoffe euch in Deutschland (oder den anderen Freiwilligen die das hier lesen in Bolivien) geht es auch allen gut. Wer zu irgendeinem Thema mehr erfahren möchte oder Anregungen hat, was man mit kleinen Kindern noch so machen kann, kann mir gerne über FB oder per Mail an Raphaela.Fischer1@gmx.de schreiben.
Liebe Grüße,
Raphaela

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Camino de la Muerte / Todesstraße


17.10.-19.10.
Das Wochenende war wieder sehr ereignisreich was daran lag, das Ronja, eine Freiwillige aus Sucre, zu Besuch kam.
So machten wir uns am Samstagmorgen mit insgesamt 5 anderen Freiwilligen auf den Weg, um die 60 Km lange Todesstraße, „die gefährlichste Straße der Welt“, die von La Cumbre (4700 m) hinunter in die Yungas (1200 m) führt, mit dem Mountainbike hinunter zu fahren.

Nachdem wir alle unsere Schützer, Helme, Windjacken etc. anhatten ging es endlich los: Der erste harmlose Teil führte auf asphaltierter Straße durch eine raue Landschaft an schneebedeckten Bergen vorbei, was zwar kalt aber wunderschön war. So erreichten wir nach einigen Kilometer den eigentlich erst abenteuerlichen Teil: den Beginn der engen Schotterstraße, deren Abgründe einige hundert Meter tief sind. Bei dieser Abfahrt mit 3000 Meter Höhenunterschied sind jedoch nicht nur die Abgründe spektakulär, sondern auch die schnelle Veränderung der Vegetation und des Klimas. Ich hätte es oben echt nicht geglaubt, aber den unteren Teil fuhr ich tatsächlich im T-Shirt und unten angekommen erholten wir uns von unserem Abenteuer in einem Pool.

Wir gingen davon aus, das wir auf dem Rückweg – über die neue Straße mit dem Van zurück nach La Paz gemütlich schlafen konnten, doch aus irgendeinem Grund war die neue Straße gesperrt und wir mussten mit dem Minivan die alte Straße, die Todesstraße,  hochfahren. Wer den bolivianischen Fahrstil kennt, kann sich vorstellen, dass das für uns kein Spaß war. Doch irgendwie kamen wir alle wieder sicher in La Paz an –´wenn auch teilweise Barfuß, da die Überquerung eines Baches mit dem Mountainbike Einigen zum Verhängniswurde – und wir ließen den Tag noch gemütlich in einer Bar ausklingen.








Am nächsten Morgen fuhren Ronja, Maria und ich hoch nach El Alto (den riesigen Markt dort) und anschließend mit der Seilbahn wieder hinunter nach La Paz. La Paz hat seit diesem Jahr drei Seilbahnen (wie in Österreich beim Skifahren) und es sollen in den nächsten Jahren glaube ich noch 7 weitere gebaut werden, um das Verkehrschaos zu verringern. Dort besuchten wir das Valle de la Luna, ein Tal voller bizarrer Felsformatierungen am südlichen Stadtrand.

Valle de la Luna

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Präsidentschaftwahlen


Dass der letzte Blog-Eintrag schon über einen Monat zurück liegt, liegt nicht etwa daran, dass hier nichts passiert und ich nicht weiß worüber ich schreiben soll, es passiert schlicht einfach zu viel und ich merke gar nicht, wie schnell die Zeit rum geht. Dafür jetzt aber einige Informationen was die letzten Wochen so passiert ist:

2. Oktoberwochenende: Präsidentschaftswahlen
Während bei uns dezente Wahlwerbeschilder der Parteien aufgestellt werden, haben die Bolivianer eine etwas auffälligere Methode ihren Kandidaten zu unterstützen: Sie streichen jede freie Mauer, Hauswand etc. mit den Farben ihrer Partei oder ihrem präferierten Kandidaten an. Und da der amtierende Präsident Evo Morales (seit 2006 im Amt) der mit Abstand stärkste Kandidat ist, ist schon seit unserer Ankunft ganz La Paz blau-weiß gestrichen, bevorzugt mit dem Spruch „Con Evo vamos bien“ oder einfach nur „Evo“ oder „MAS“ (seine Partei).
Öffentliche Fernseh-Debatten oder ähnliches gab es vor der Wahl keine und die öffentlichen Auftritte der Kandidaten (fünf Stück) mussten Mittwoch vor der Wahl enden, sodass an diesem besagten Mittwoch jede Partei noch einmal eine riesen Wahlveranstaltung hatte, eine davon war direkt auf dem Platz vor meiner Haustür und hat mich ehrlich gesagt ein wenig an Karneval erinnert, da alle komplett in Rot rumgelaufen sind und sogar einige geschmückte Wägen die Avenida hoch und runter gefahren sind.
Auch in den Supermärkten sah man deutlich, dass die Wahl kurz bevorstand: 3 Tage vorher durfte nämlich kein Alkohol mehr verkauft werden und so war die komplette Spirituosenabteilung mit Absperrband abgesperrt. …Und falls irgendjemand all dies nicht hätte mitbekommen sollen, wäre ihm spätestens Samstagnacht aufgefallen, dass irgendwas anders ist als sonst, von 00.00 -20:00 Uhr am Sonntagabend durfte nämlich in ganz Bolivien nur noch für die Wahl autorisierte Autos fahren, sonst niemand. Deshalb verbrachte ich den Samstagabend auch gemütlich zuhause, nachdem ich nachmittags auf dem Tag der offenen Tür des Projekt „Kaya Children“ war, das sich um ehemalige Straßenkinder kümmert, und in dem eine Freundin von mir arbeitet.

Am Wahlsonntag bin ich mit meiner Gastfamilie zur nächsten Schule gelaufen und habe mir das Wahlprozedere mal angeschaut (es besteht Wahlpflicht, wer nicht wählt dem wird 2 Monate lang das Konto gesperrt bzw. für eine Strafe von 2000 Bolivianos (etwas mehr als 200€) kann man sein Konto wieder aktivieren). Zuerst einmal mussten wir draußen anstehen, damit wir überhaupt einmal auf den Schulhof kamen. Dort angekommen musste sich jeder in eine weitere Schlange stellen, um zu erfragen, in welchem Raum er wählen konnte – das Ganze war nach Nachnamen geordnet, aber da  jeder Bolivianer mindestens drei Nachnamen hat, wusste keiner so genau nach welchem die Liste ging und irgendwie musste dann auch fast jeder aus meiner Gastfamilie (Gastvater-, Mutter-, Oma-, Onkel) in einem andern Raum wählen. Nachdem also der Raum erfragt war, konnte sich jeder dort anstellen und bekam dann zum Abschluss eine tolle Karte (sogar mit Foto) die bescheinigt, dass derjenige gewählt hat (es besteht Wahlpflicht, wer nicht wählt dem wird 2 Monate lang das Konto gesperrt bzw. für eine Strafe von 2000 Bolivianos (etwas mehr als 200€) kann man sein Konto wieder aktivieren). Da die Straßen ja alle gesperrt waren, waren jede Menge Stände aufgebaut worden und wir saßen alle noch gemütlich zusammen um etwas zu essen, bevor jeder wieder nach Hause gelaufen ist.

Gegen Abend wurde dann das –nicht überraschende- Ergebnis verkündet: Evo Morales ist mit 61% der Stimmen wiedergewählt worden, im Hochland hatte er sogar an die 70 %. Und die anderen Parteien? Die hatten so wenige Stimmen, dass zwei sogar eine Strafe zahlen mussten und insgesamt nur 3 von 5 im Parlament vertreten sind.
So gab es – von der Amtsantrittsrede Evo´s einmal abgesehen - einige Dinge über die ich nur den Kopf schütteln konnte, doch die internationalen Beobachter waren alle sehr zufrieden und meinten, dass alles sehr demokratisch abgelaufen wäre.

(Ein kurzer Exkurs zu Evo Morales: Evo wurde 1959 in einem Andendorf geboren (gehört somit dem indigenen Stamm der Aymara an) und wuchs in größter Armut auf. Nach seinem Wehrdienst ging er in den Chapare, die größte Kokaanbauregion Boliviens und ist noch heute Führer der Bewegung für die Rechte der Coca-Bauern. Seit 1993 ist Morales Kongressabgeordneter und seit 2006 der erste indigene Präsident mit sehr großem Rückhalt der Bevölkerung. Morales gilt als kapitalismuskritisch und bezeichnete den Neoliberalismus als eine Erfindung von IWF und Weltbank, die dem einfachen Volk nur das nackte Überleben sichert. Im Juli 2006 begann Morales mit den Vorbereitungen für eine Verfassungsreform. Diese strebte eine Verstaatlichung der Bodenschätze, der Eisenbahn und der Industrie, eine Reform des damals liberal geprägten Wirtschaftssystems, eine Landreform und die Schaffung eines laizistischen Staats durch Abschaffung der Staatsreligion an. Außerdem förderte er die Rechte der indigenen Bevölkerung, gerade seine „Koka-fördernde-Politik“ führte jedoch dazu, dass sich das Verhältnis zu den USA stark verschlechterte).


"2015-2020 EVO-PRESIDENTE"

Schlangen vor dem Wahllokal


3. Oktoberwoche

Über die Woche gibt es nicht viel zu berichten, außer, dass ich nachdem ich Anfang Oktober endlich mein Visum abholen konnte diesen Mittwoch auch endlich mein Carnet de extranjeros bekommen habe, eine Art bolivianischer Personalausweis, und ich jetzt hoffentlich so schnell keine bolivarische Behörde mehr von Innen sehen muss.
Ansonsten hatten wir im Juancito Wesley noch einen Kindergeburtstag, zu dem nachmittags auch die Verwandten des Kindes kamen und Torte, Piñata und Süßigkeiten mitgebracht haben und wir jede Menge Spiele spielten. Da das Geburtstagskind eines unserer am weitesten entwickelten Kinder ist (was Sprache, Verhalten etc. angeht) und recht groß ist, ging ich davon aus, dass sie 5 Jahre alt wird. Als mir dann gesagt wurde, dass sie erst 3 wird war ich echt überrascht, vor allem weil die anderen 2-3 Jährigen ja entwicklungstechnisch genau so weit sein müssten. Aber man merkt deutlich, welche Kinder Eltern haben die sich um sie kümmern (und die dann beispielsweise am Geburtstag auch zu uns kommen) und welche dieses Glück leider nicht haben.

Was mir mittlerweile auch aufgefallen ist, und das erklärt auch warum viele kleine Kinder so schlecht spanisch sprechen, ist, dass die Großeltern oder zuhause vielleicht auch noch einige Eltern mit den Kindern Aymara sprechen.

Trotzdem kann ich jetzt schon viel mehr mit den Kindern spielen als anfangs, einige Brettspiele und unser selbstgebasteltes Memorie klappen ganz gut, ohne dass irgendein Kind sich alles schnappt und wegrennt, wie es im August noch der Fall war. Außerdem versuche ich öfter irgendwelche Bewegungsspiele oder simple Dinge wie „auf einem Bein durchs Zimmer hüpfen“, "Bälle prellen" oder ähnliches zu machen und mir ständig neue Dinge zu überlegen um die Kleinen auch ohne Fernseh bei Laune zu halten. Und da die Meisten mittlerweile gut auf mich hören und ich die spanischen Imperative aufgrund ständiger Übung inzwischen ohne großes Überlegen beherrsche, klappt das auch ganz gut.